Programminhalte

»O« Hannes Gröblacher & Markus Guschelbauer

In »O« wird das CoForum in eine poetisch-performative Raumintervention transformiert, die von Innen nach Außen mit ihrer Umgebung in Kontakt tritt und kommuniziert. Der Innenraum des geschlossenen Pavillons - in seiner ovalen Form an Shakespeare's Globe Theatre erinnernd und zugleich an einen Körper: einen Bauch, ein Inneres, einen Verdauungsraum - wird zum Aktionsraum. Auf seiner Bühne entstehen absurde, humorvolle, abstrakte, romantisch-atmosphärische, klischeehafte und zugleich groteske Szenerien, die durch Öffnungen in der Haut des Pavillons von außen erfahrbar werden. Die fragile Architektur verwandelt sich in einen lebendigen Organismus - eine »Erzähl-Maschine«, die vibriert, Perspektiven verschiebt und neue Assoziationsfelder eröffnet. Das CoForum wird zum Fenster in eine andere Welt: Es öffnet sich, gibt Einblicke frei, verschließt sich wieder. Besucher*innen bewegen sich um den Pavillon, suchen nach neuen Öffnungen, und entdecken dabei wechselnde Räume, Atmosphären und Szenerien. So entsteht ein nicht-lineares Erlebnis, das sich fortwährend verändert und assoziative Bilder hervorbringt, die nach Außen getragen und zum Ausgangspunkt neuer Erzählungen werden. Die Architektur wird so zur Erzählfläche zu einer Umgebung, die sich selbst zur Bühne macht.

»Drifting Space« von Gridchen Pliessnig

»Drifting Space« ist eine performative Installation, die das Verhältnis von Körper, Raum und Atmosphäre erforscht. Im Zentrum steht die CoForum Skulptur – ein begehbarer, nach oben offener Raumkörper aus Holz, dessen organische Struktur zahlreiche kleine Öffnungen besitzt.
Diese Skulptur ist kein abgeschlossener Raum, sondern ein durchlässiges System, das auf innere und äußere Bedingungen reagiert. Die Arbeit ist zugleich Skulptur, Performance und Forschungsraum – eine Einladung zur Erfahrung von Durchlässigkeit und zur Verschiebung des Blicks: weg vom isolierten Ich, hin zum Atemfeld, in dem Distanz und Rückzug sympoietisch verbunden sind.
Zwei Nebelmaschinen fungieren als atmende Akteure. Sie erzeugen Nebelzyklen, die sich mit Tageslicht, Temperatur, Luftbewegung und menschlicher Präsenz verweben.

Ausgehend von ihrer künstlerischen Distanzforschung – fokussiert Gridchen Pliessnig sich auf das Verhältnis von Selbstwahrnehmung und Beobachtung. Hier wird Introversion zu einer sympoietischen Praxis: Beobachtung bedeutet nicht Isolation, sondern eine subtile Form der Teilhabe und Ko-Existenz. Ob aus der Distanz oder innerhalb des Nebelraums, Besucher*innen werden Teil eines relationalen Atemsystems, das auf sie reagiert und sie gleichzeitig einbezieht.

nebel

»Vernetzungstreffen« ein situationselastisches Beziehungsobjekt von Ulrich Kaufmann und Sigrid Friedmann

Das CoForum hat einen Innenraum und eine Umgebung. Wie fast alles. Der Innenraum kann geöffnet werden und das Innenleben sichtbar werden, das sich durch das Öffnen zeitgleich verändert.

Jeweils zwei Stühle sind miteinander mit Gummibändern verbunden, die sich durch den Innenraum spannen, dadurch entsteht im Inneren des Objektes ein Netz. Wird ein Stuhl aus dem Objekt herausgenommen und aufgestellt entsteht Spannung. Wird der dazu verbundene Stuhl auch herausgenommen entsteht eine spürbare Verbindung zwischen den zwei verbundenen Stühlen, aber auch auf alle anderen Stühle hat dies Auswirkungen.

Es geht um Positionen, Hierarchien, Kräfte, Verknotungen, Undurchsichtiges und Nachvollziehbares, Kontaktaufnahme oder unangenehmes Verbunden sein.

»Nicht alles hängt mit allem zusammen, aber jedes mit etwas.«
Donna Haraway

Zu den Vernetzungstreffen kommen auch angekündigte Vorträge von Alice Pechriggl (Vernetzungstreffen 1) und Giustina Selvelli (Vernetzungstreffen 2), die sich in ihren Arbeiten mit Genderthematik, mit Sprachen und Grenzen auseinandersetzen und auch beruflich in der und um die Universität tätig sind, begleitet von der Musikerin Lissie Rettenwander (Vernetzungstreffen 1).
Das Treffen klingt mit gemeinsamen Gummihüpfen aus, was die entstandenen Beziehungen noch vertiefen soll. Ein Spiel, das früher in den Schulpausen gespielt wurde und als ein »typisches Mädchenspiel« bekannt war. Man könnte sagen hierbei geht es um das Überspringen von Grenzen, drinnen zu sein oder draußen, begleitet von Sprüchen. Wie zum Beispiel: Seite, Seite, Mitte, Breite, Seite, Seite, Mitte, Raus. Wenn kein Vernetzungstreffen stattfindet, steht das Objekt geschlossen da und einzig durch die durch die Löcher gezogenen Gummis sehen wir Linien auf der Außenwand. Nähern wir uns, bellt ein Hund aus dem Inneren. Schaut man dennoch in das Objekt hinein, erschließt sich das äußere Muster zu einem drei-dimensionalen Geflecht im Innenraum, erleuchtet von der Sonne oder einer künstlichen Lichtquelle. Videoprojektionen bespielen das Geflecht, heben einzelne Linien hervor, scannen Verbindungen und erschaffen mystische Stimmungen.

»Performativer Lesezirkel« mit Christina Clar und Tahereh Nourani sowie Lehrenden der Universität Klagenfurt | Celovec koordiniert von Matthias Wieser

Gemeinsames Lesen und Vorlesen von inspirierenden Texten zu Beziehungen im Ökosystem und der Frage, wie gutes Zusammenleben gelingen kann. Welche Gedanken, Werkzeuge, Gefühle, Formen von Wahrnehmung und Handlungen helfen uns, ein Miteinander möglichst aller zu ermöglichen? Können wir lernen, mit anderen Spezies zu kommunizieren, um sie besser zu verstehen und zu schützen? Wir tauchen in einen gemeinsamen Erfahrungsraum ein und verflechten Wahrnehmung, soziale Intelligenz und Zwischenräume mit Texten, um unsere Vorstellungen durchlässiger zu machen und Raum zu schaffen für neue Sichtweisen.
Forschende der Universität Klagenfurt | Celovec der Gender Studies, Geographie, Wissenschafts- und Technikforschung, Kulturwissenschaft, Erziehungswissenschaft und Slawistik liefern Denkanstöße; die Performancekünstlerin Christina Clar verlinkt Teilnehmende und Themen mit ihren geflochtenen Seilen und Naturelementen; die Musikerin Tahereh Nourani nimmt non-verbal Bezug auf Gesagtes, stellt vielleicht die eine oder andere Spezies vor und auch für eure Zungenpapillen wird gesorgt.

»Dordolla Diario« von Natalie Deewan

In drei Residenzwochen vor Ort in Dordolla und den umliegenden Weilern wird Natalie Deewan zur DORDOLLA DORFSCHREIBERIN werden: Sie versucht so, den Ort und seine hartnäckigen Bewohner*innen kennenzulernen und sich von ihnen Geschichten erzählen zu lassen.

Zwei Eigenschaften sollten ihr dabei behilflich sein: Sie spricht ein wenig Italienisch (hat es sogar einmal studiert) und geht gerne auf ihr völlig unbekannte Menschen zu.

»Offenbar haben die Leute in Dordolla viel Witz, wie sich an den ihnen zugeschriebenen Sprüchen ablesen lässt. Das sollte mein Vorhaben jedenfalls erleichtern! Im Laufe meiner Residenzzeit entstehen so kurze Texte, die mit Fotos in einem RESIDENZPOSTKARTENBOOKLET gesammelt, gedruckt und am Ort präsentiert werden.«

Dordolla schreibt Geschichte – man braucht nur mitzuschreiben!

asilo

»Bar Diaspora« von Sarah Waring

»Bar Diaspora« ist ein Projekt forschungsbasierter künstlerischer Praxis, das untersucht, wie sich Umgebung durch soziale Praxis und Fürsorge in gemeinsam genutzten Räumen gestaltet.

Die ganzjährige Gemeinde von Dordolla ist klein, aber das Dorf hat eine große Diaspora. Sowohl regelmäßig zurückkehrende Auswander*innen als auch alle, die das Dorf oft besuchen, tragen erheblich zu seiner inoffiziellen Einwohner*innenzahl bei. So gibt es beispielsweise mindestens vierzig Dordollesi Wiener*innen: etwas mehr als die offizielle Einwohner*innenzahl des Dorfes.

Einmal in Monat treffen sich Leute, die sich vorher nicht unbedingt kannten, in verschiedenen Lokalen der Wiener Migrant*innengemeinden. Die Orte, die aufgrund ihrer Gastfreundschaft und ihrer ausgeprägten kulturellen Identität ausgewählt wurden, bieten einen entspannten Rahmen, um sich eine Bestandsaufnahme vom Weltgeschehen zu machen – genau wie in Dordolla, bevor die Bar Ende 2025 geschlossen wurde. Der Gemeinderat hat bis jetzt noch keine Ausschreibung für eine neue Betriebsführung veröffentlicht.

Das Projekt umfasst Fotos, Texte, Karten und kontextbezogene Recherchen als künstlerische Dokumentation.

»in & outside of time«

Poesie und vier Instrumente im Austausch mit der Natur mit Manu Mayer Kontrabass, Tahereh Nourani Flöte & Stimme, Phil Yaeger Posaune & Stimme, Christina Clar Stimme & Konzept.

»in & outside of time« versteht sich als cross-over Erlebnis zwischen Musik, Texten und dem Draußen-sein in der Natur. Wir starten zu Fuß in Dordolla und spazieren in den Wald. Wir halten dabei immer wieder inne, um tiefer einzutauchen in unsere Wahrnehmung, um einem Vogel zuzuhören oder eine Brise Luft auf der Haut zu spüren. Alle Sinne weiten sich, wir finden einen Rhythmus zwischen gehen, hören, riechen, schmecken, wahrnehmen; unsere Nervensysteme synchronisieren sich Schritt für Schritt mit der Umgebung. In »la Val«, im Garten von Dordolla angekommen, machen wir es uns bequem und begegnen den Musiker*innen, die mit ihren Instrumenten und mit den Texten von Robert Lax, E. E. Cummings und Herman de Vries improvisieren. Sie lassen sich leiten von den Geräuschen, den Bäumen um sie herum, von uns, und werden Teil der Natur. Oder die Natur wird Teil der Performance. Ein poetischer Ausflug, wo Klang, Texte und »la Val« von Dordolla gleichwertig sind und sich wechselseitig beeinflussen.

»Spazieren mit allen Sinnen« mit Christina Clar

Wie kann ich meine Sinne öffnen? Was nehme ich wahr, und wie tue ich das?

Gemeinsam spazieren wir durch Villach und verändern die Wahrnehmung von uns selbst und der Umgebung, in der wir uns befinden. Dabei experimentieren wir mit Filtern, wie zum Beispiel akustischer Maskierung, mit Verlagerung der Wahrnehmung und mit teilweiser oder totaler Einschränkung einzelner Sinne. So orientieren wir uns einmal hauptsächlich nach der Temperatur, dann wieder nur nach dem Licht, wie Pflanzen es tun, oder primär nach dem Geruchssinn, wie Hunde; oder nur nach dem Hören, mitunter durch reduziertes Sehen, zum Beispiel unter Verwendung von Augenklappen.

Du wirst überrascht sein, wie sehr das gewohnte Stadtbild anders auf dich wirkt, je nachdem, auf welchen Schwerpunkt wir uns konzentrieren: akustisch, visuell, taktil, olfaktorisch, das Temperatur-oder Gleichgewichtsempfinden ansprechend, oder die Propriozeption.

Villach wird nie wieder dieselbe sein!

vozel