Manche Erinnerungen legen sich ab wie Sedimente am Grunde des Sees. Archiviert in der Stille. So birgt die Welt, die uns umgibt, manches an Geschichten, die nur beim genauen Zuhören zurück an die Oberfläche kommen. Geschichten aus einer Zeit, die unsere nie ist, aber in die auch wir übergehen werden. Schritt für Schritt schreiben wir uns ein, in die nächste Ablagerung der Geschichte, um Teil von ihr zu werden.
Wie wird man sich an das, was war, erinnern – und daran, wie man es
benannt hat?
Ein Foto einer demolierten zweisprachigen Ortstafel sagt oft mehr als das der
aufgestellten. Gespräche, denen man zugehört hat und erst später verstand.
Alles hatte seinen Namen, und es klang vertraut. Ein Gefühl, das bleibt. Weil
es dort vergraben wurde. Eingeschrieben und archiviert. Erinnerungen an
den Grund der Dinge. Welche Bedeutung hat der Name einer Ortschaft in einer verschwindenden Sprache? Wo wird bleiben, was schon immer da war?
Žomej*ia ist eine installative Audio-Collage, die wiederentdeckte Aufnahmen aus dem Phonogrammarchiv der österreichischen Akademie der Wissenschaft in Wien neu kontextualisiert und inszeniert. In den 1960-70er
wurden dialektologische und liguistische Forschungen unternommen, um
die Dialekte der Kärntner Slowen*innen zu untersuchen und festzuhalten.
Die Aufnahmen verschwanden im Archiv und in Vergessenheit. Zurückgeholt und eingewebt in die Gegenwart werden sie wieder Teil einer künstlerischen Auseinandersetzung mit der Geschichte eines Dorfs und bringen
unerwartetes zum Vorschein: eine Bezeichnung für Obersammelsdorfer*innen aus einer vergangenen Zeit, die ungewöhnlich und vertraut zugleich klingt. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart, folgen die Aufnahmen den hörbaren Rufen in eine ungewisse Zukunft.
SAMO ZEICHEN ARBEITET ALS FREISCHAFFENDER KÜNSTLER, PROMOTER,
KURATOR, KULTURVERMITTLER UND
SOUND-ENTHUSIAST ZWISCHEN KOROŠKA/KÄRNTEN UND DUNAJ/WIEN UND
IST GRÜNDUNGSMITGLIED DES VEREINS
BESTAND. SEINE HAUPTINTERESSEN UND
ANSÄTZE KREISEN UM POLITISCHE VORSTELLUNGEN VOM ÖFFENTLICHEN RAUM
UND DESSEN DEMOKRATISIERUNG. IM
MITTELPUNKT DER BISHERIGEN KÜNSTLERISCHEN FORSCHUNGSPROJEKTE STEHT
DAS POTENTIAL DES LÄRMS (NOISE), UM
IN BESTEHENDE SYSTEME EINZUGREIFEN
UND UM NEUE, SUBVERSIVE FORMEN DER
KRITISCHEN AUSEINANDERSETZUNG MIT
GESELLSCHAFTSPOLITISCHEN THEMEN ANZUWENDEN. DABEI LIEGT EIN FOKUS AUF
KRITISCHEN (DEKOLONIALEN) ARCHIVSTUDIEN SOWIE GENEALOGIEN VON KLÄNGEN
UND STIMMEN BETROFFENER MARGINALISIERTER GRUPPEN.